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  • Roland Reiter

Politisches Kleingeld und die Not betroffener Bürger

Anfang dieser Woche haben wir Post bekommen. ÖVP Gemeindeparteiobmann Walter Mayer hat auf unseren Offenen Brief (nachzulesen hier) geantwortet.


„Sehr geehrter Herr Reiter! Offensichtlich verstehen sie die Kernaussage meines Artikels nicht, oder wollten sie auch ganz gezielt nicht verstehen. Dabei sagt alleine die Überschrift schon alles aus. Mir ist schon klar, dass sie bemüht sind, durch die Erstellung eines Manifestes, mit der unkontrollierbaren Verbreitung via Facebook, Kleingeld, aus der Not von betroffenen Bürgern, für ihre Wahlkampfkampagne zu schlagen.

MfG Walter Mayer


P.S.: Ich hoffe auch dieses Schreiben wird via Facebook veröffentlicht.“


Diesem Wunsch kommen wir hiermit natürlich gerne nach, schon allein der Vollständigkeit halber.

Ich bin mir ziemlich sicher, die Kernaussage des Artikels verstanden zu haben. Viel Interpretationsspielraum war da ja nicht vorhanden. Gerade die Angst, dass in Würflach ein Schweinemastbetrieb errichtet wird, hat Anfang dieses Jahres maßgeblich zur Gründung unserer Bürgerliste beigetragen. Erste Vorgespräche fanden im kleinen Kreis schon im Dezember 2018 statt, wo sich herausstellte, dass in vielen Bereichen der Gemeindepolitik Unzufriedenheit bei den Menschen herrscht.


Wir sehen es als unsere Aufgabe, bestehende Missstände aufzuzeigen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Das kann man aber nur tun, wenn man gewisse Dinge in der Öffentlichkeit auch anspricht und kritisch hinterfragt. Unsere Botschaften via Spatzenpost zu verbreiten wäre da wohl nicht der richtige Weg. Offene Briefe sind ein probates Mittel, seine Meinung zu einem aktuellen Thema zu äußern. Das tun wir aber nicht unüberlegt und ohne uns vorher intensiv mit der Thematik auseinanderzusetzen. Allein zum Thema Schweinestall haben wir in unzähligen Stunden Richtlinien und Gutachten studiert, Rat bei Experten eingeholt, mit Anrainern das Gespräch gesucht und auch gefunden.


Im Gegensatz zum Gemeindevorstand bzw. zu den gewählten Gemeinderatsmitgliedern wird unsere Tätigkeit nicht bezahlt und erfolgt ausschließlich ehrenamtlich. Kosten für die Erstellung unserer Homepage, Werbematerialien usw. zahlen wir aus unserer eigenen Kasse. Insofern kann ich den Vorwurf, dass wir versuchen, aus der Not von betroffenen Bürgern (politisches) Kleingeld zu schlagen, so nicht stehen und gelten lassen.


Apropos „Not von betroffenen Bürgern“: Davon war in Ihrem Vorwort in „Würflach aktuell“, gar keine Rede. Ganz im Gegenteil, Sie bezeichneten Würflach als kleinen, feinen Ort, indem sich offenbar alle wohlfühlen. Das Thema Schweinestall wurde, wie auch im letzten Gemeindeblatt, totgeschwiegen. Kein einziges Wort wurde darüber verloren, dass viele Anrainer den ganzen Sommer über nahezu tagtäglich starkem Gestank ausgesetzt waren. Da wurde es schon als wichtiger empfunden, Bürger zurechtzuweisen, denen die Natur im Dorf eine Herzensangelegenheit ist und die Baum- und Heckenrodungen infrage stellen. Auch die beiden Unwetterereignisse im August wurden im Gemeindeblatt mit keinem einzigen Wort erwähnt. Mehrere Keller im Ortsgebiet standen unter Wasser, auf Ackerflächen wurde teilweise mehr als ein halber Meter Erde und Humus weggeschwemmt, viele Straßenzüge stark verunreinigt. Die 925-Jahr-Feier Ende August wurde hingegen in einem nahezu 6(!) Seiten umfassenden Veranstaltungsrückblick ausführlichst gewürdigt.


Demokratie, sehr geehrter Herr Mayer, heißt zuhören - auch dann, wenn es nicht gefällt. Wir finden es richtig und wichtig, Feste zu feiern, allerdings müssen auch bestehende Probleme im Ort angesprochen und aktiv nach Lösungen gesucht werden. Natürlich ist es viel leichter, Gras über eine Sache wachsen zu lassen bzw. Pflastersteine über ein zuvor mit Styroporbeton befülltes Becken zu legen. Das wollen wir aber beides nicht. Wir wollen gescheite, faire Lösungen und eine Gemeinde, in der die Bedürfnisse und Wünsche aller BewohnerInnen gefördert und berücksichtigt werden und nicht nur die Interessen einzelner. Dazu gehört es halt auch, Entscheidungen kritisch zu hinterfragen.


Ja, Würflach hat sich verändert. Die Kandidatur einer Bürgerliste mag für Würflach und insbesondere für die Orts-ÖVP etwas Neues sein, wir sind in Niederösterreich aber bei weitem nicht allein. Mehr als 1800 Bürgerlisten traten bei der letzten Gemeinderatswahl im Jahr 2015 an, so viele wie nie zuvor.


Wir kandidieren jedoch nicht, um Macht zu erlangen oder um reich zu werden. Wir treten an, um jenen Menschen eine laute, ehrliche Stimme zu geben, die sich nicht im Gemeinderat vertreten fühlen. Es geht uns um Meinungsvielfalt und Meinungsfreiheit. Dafür stehen wir ein und wir bitten inständig, dies auch zu respektieren.

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